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scambi binari

BERN-01-05-2019- Vor gut hundert Jahren plante 

ein internationales Eisenbahnkomitee eine schmalspurige Bahn für den Tourismusverkehr von der französischen Rivera zum Genfersee, Gstaad und Interlaken zu bauen. Ein langes Teilstück führt nach wie vor von Nizza bis weit in die Meeralpen hinein, eine weitere Strecke führt von Chamonix nach Martigny (Mont Blanc Express) und von Montreux bis Gstaad fährt die “Chemin de fer Montreux-Oberland Bernois MOB” bis nach Zweisimmen, wo die normalspurige BLS Strecke nach Spiez und Interlaken führt.

Die Fahrgäste jedoch wollen –wiederum seit über 100 Jahren- direkt auf der “Gold Pass Route” von Montreux, am Genfersee, via Gstaad nach Interlaken am Fusse der Jungfrau reisen: zu schön um wahr zu sein, denn auf dem halben Weg muss auch heute noch in Zweisimmen umgestiegen werden.

Auch in der Schweiz brauchen gute Lösungen oftmals viel Zeit und Geduld. Seit Jahrzehnten wurde darum gestritten, ob man wohl die 53 km lange Bahnlinie durch das Simment(h)al nach Interlaken nicht mit einem dritten Gleis ausrüsten sollte um die Fahrgäste mit den “kleinen aber feinen Züge” bis zum Ziel zu bringen. Die MOB ist bekannt dafür, dass sie dem interkontinentale Publikum komfortable Panoramzüge aber auch nostalgische Luxus-Züge im 1930er Jahre Stile der “Compagnie internationale des Wagons-Lits” anbietet. Kurzum, eine Lösung wurde nicht gefunden; zu teuer, zu kompliziert.

Dann kam ein findiger Kopf der ehemaligen FIAT/Ferroviaria (nun Alsthom) auf die Idee, die Wagen-Achsen –sogenannte Fahrgestelle- unter den Wagen so zu bauen, dass die Züge bei langsamer Durchfahrt von Montreux in Zweisimmen ihre auf einen Meter ausgelegten Achslänge auf 1 Meter 43,5 Zentimeter ausgeweitet werden. Ein buchstäbliches Husarenstück, denn die Zugskompositionen zwischen Frankreich und Spanien sowie Polen und Russland müssen nur eine “Distanz” in der Spurweite von 15 Zentimeter bewältigen. Zum Vergleich: 15 cm sind kaum ein halber Schuh, 43,5 cm hingegen sind ein grosser Schuh!

Das föderale System der Schweiz machte es nicht einfach. Die Bahngesellschaften MOB, BLS und SBB mussten einbezogen werden, wie auch die drei Kantone Waadt, Fribourg und Bern, die Eidgenossenschaft und viele Experten. Als ein Prototyp bereit stand, musste die Finanzierung geklärt werden: ohne einen wirtschaftlichen Sinn hätte die ganze Übung abgebrochen werden müssen. Das Geld wurde gefunden und in diesen Tagen konnte MOB Generaldirektor Georges Oberson den ersten direkten Wagen “Montreux-Interlaken” den Medien vorstellen. Eine echte schweizerische Weltneuheit mit Exportchancen. Das Eisenbahnland Japan hat bereits ein Fernsehteam zur MOB delegiert. Im Dezember 2020 werden die “Golden Pass” Zugskompostionen mit den neuen 19 Wagen 1. und 2. Klasse –sowie 4 umgebauten Wagen- die ganze Strecke vom Genfersee bis zum Brienzersee umsteigefrei bedienen. Ein “Extraklasse” für anspruchsvolle Fahrgäste ist ebenfalls vorgesehen. Natürlich wird auch für die Verpflegung während der Reise gesorgt. Die Gesamtinvestitionen von 76 Millionen Franken werden von allen Partnern und Behörden gemeinsam getragen. In der Wirtschaftlichkeitsrechnung erwartet man einen Anstieg der Fahrgastzahlen von heute 3,5 Mio. auf 5 Mio jährliche Gäste, welche den Tourismus der ganzen Grossregion kräftig ankurbeln werden.

Walter Finkbohner

 

 

 

Die Umspuranlage in Zweisimmen: sie wird ohne Halt befahren


Unten das recht komplizierte “Drehgestell”, die schweizerische Weltneuheit