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ARBON - 20-11-2025 -- Man muss es den Ostschweizern, nahe an der Grenze zu Deutschland und Oesterreich/Liechtenstein lassen: Sie waren bereits im 13. Jahrhundert Industrie- und Handelspioniere auf die Gebiete der Leinwandproduktion und waren in engem Kontakt mit der damaligen Lombardei, der Republik Genua und den Mittelmeerstädten. Innovation und Qualität war ihr Trumpf.

In Arbon am Bodensee, wo die legendären Saurer-Lastwagen und Postautos gebaut

wurden, ist aus Eigen-Initiative ein autonomer Stadtbus unterwegs, der auf seiner Fahrt durch die Altstadt» überzeugte. Arbon war vor 2000 Jahren bereits eine römische Siedlung mit dem Namen «Arbor Felix»

Dass Chauffeure für Linienbusse allenthalben fehlen und die Betriebskosten dafür hoch sind, ist bekannt. Aber auf der anderen Seite, leben die meisten Menschen nicht in der Nähe von Bahnhöfen und pünktliche Busse mit einem möglichst dichten Fahrplanangebot sind notwendig, um Einwohner und Touristen vom privaten Auto wegzulocken. In der Schweiz funktioniert dies bestens, aber das Angebot soll noch besser werden.

Der 1919 gegründete Verein «Technische Gesellschaft Arbon», dem heute Reto Stäheli vorsteht, hat zum Ziel das technische Know-How zu fördern, um in der Region Arbeit und Wohlstand zu schaffen. Anstatt ein grosses Jubiläumsbuches zu erstellen, entschied der Verein eine kleine Jubiläumsschrift abzufassen und der Stadt Arbon mit Partnern ein Konzept für den Einsatz eines autonom fahrenden Stadtbusses zu schenken. Gesagt und getan, das Konzept gefiel so gut, dass man sich sehr schnell darauf einigte die Schritte bis zu einem Versuchsbetrieb zu wagen. Dazu brauchte es eine solide Trägerschaft, sind doch bereits einige Projekte von autonom fahrenden Taxis ausserhalb von Zürich und Appenzell in Vorbereitung, aber noch niemand hat sich an einen richtigen Linienbus-Dienst gewagt. Das Projekt betritt Neuland und es wurde nicht von einer grossen nationalen Organisation angeregt, sondern von motivierten Privatpersonen mit viel Enthusiasmus. Die Bewilligungs-Behörden in Bern und dem Kanton Thurgau zeigten sich mehr als offen und ermöglichten mit einer Ausnahmebewilligung einen drei Jahre dauernden Pilotversuch. Ausgewählt wurde die türkische Busfirma Karsan, welche auch über Erfahrung und Zusammenarbeit mit dem Softwarelieferanten ADASTEC verfügt. Karsan hat neben einer Niederlassung in der Schweiz auch eine in Torino.

Der Bus mit dem Namen ARTOUR verfügt über 19 Ledersitzen und fährt nun bereits seit Oktober fahrplanmässig und pünktlich durch die Altstadt. Alle Haltestellen ermöglichen einen stufenlosen Eingang für alle, ob sie Rollstuhl/Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind. Noch wird der Bus durch einen berufsmässigen Chauffeur im «Cockpit» begleitet, ohne dass dieser aber das Steuer bedient. Er ist jedoch jederzeit bereit, bei Notwendigkeit einzugreifen. Zudem ist in der Anfangsphase auch noch ein Operateur der türkisch-US-Amerikanischen Firma ADASTEC an Bord, der alle vorkommenden Probleme sichtet und rapportiert.

Sobald im kommenden Jahr der voll-autonome Betrieb möglich ist, wird die heute im Bus

angesiedelte Überwachung schrittweise durch eine Leitstelle besorgt. Die Fahrten des Busses werden somit immer unter Kontrolle sein.

Ein interessantes Detail. Ein Teil der heutigen Betriebskosten wird von der Stadt Arbon getragen. Dieser wird aus den Verkehrsbussenerträgen finanziert. Auch hier eine pragmatische Lösung.

Es ist zu hoffen, dass der bald voll autonome «Artour-Bus» mit der Überwachung vom Control Center aus erfolgreich sein wird. Denn damit wird der Weg zu fernüberwachten, autonomen Linienbussen in der ganzen Schweiz und -wer weiss- auch in der EU frei.

Walter Finkbohner