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Die Schweiz ist auch in Italien für ihre gute öffentliche Mobilität bekannt. Eine interessante Beobachtung dazu machte Verkehrsexperte Thierry Müller in Zürich, wo die Einwanderung junger italienischer Familien und Einzelpersonen besonders stark ist: «Kaum sind die jungen Leute in Zürich mit seinen Trams, Trolleybussen und der S-Bahn, verzichten sie auf das in Italien obligatorische Auto. «Dies aus

Bequemlichkeit und weil es günstiger ist», erfuhr er in seinen Gesprächen.

Auch vom Güterverkehr gibt es in der Schweiz Neuigkeiten, über welche sich die Experten des INTERREG Projektes SWITCH aus Mailand, Turin und aus dem Verkehrsministerium aus Roma informieren liessen. Die 14 Sachverständigen, unter der Leitung des Güterverkehrs Leiters der Region Lombardei Francesco Bargiggia, wurden von Markus Traber, Leiter der Gesamtmobilität der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich begrüsst. Der Kanton ist an der Zusammenarbeit mit den südlichen Nachbarn interessiert, so wie bereits mit Baden-Württemberg direkte Kontakte bestehen.  Marktkenntnisse sind für den Transitverkehr durch die Schweiz wichtig, «man muss sich kennen und zusammenarbeiten».

Ein leuchtendes Beispiel ist für den Schweiz-Verkehr «Railcare, die Güterbahn von COOP- die seit einige Monaten das Stadtzentrum von Zürich aus dem Lager Schafisheim per Güterzug mit Containern bedient. Von dort bringen Lastwagen die Kühlcontainer direkt in die COOP-Filialen. Damit werden auf der Autobahn 58'000 Lastwagenfahrten pro Jahr eingespart. Ein Modell, das auch in Italien kopiert werden könnte, denn zwei «Railcare-Linien» bedienen ab Brig diverse Filialen im Wallis, ein kleiner, aber wichtiger «Terminal» nur 30 Zugsminuten vom piemontesischen Domodossola entfernt.

Die Gäste aus dem nahen Süden interessierten sich auch für das mobile «Midi-Container System ACTS», welches auch in der italienischen Schweiz für weniger Verkehr auf den Strassen sorgt. Die «Midi-Container für die verschiedensten Güter» lassen sich durch den Lastwagen-Chauffeur -wie bei COOP- mit einfachen Handgriffen von der Strasse auf die Bahnwagen verladen. Das Wichtigste am System ist, dass die Lastwagenchauffeure weniger lange Strecken fahren müssen, und damit die Transportkosten senken. Eine ideale Anwendung sind die Transporte im Bereich des «Recyclings» von Baumaterialien. Im Gespräch sind zurzeit 15'000 Tonnen Glas die von Zürich zur Firma Eurovetro in Origgio (Varese) transportiert werden müssen. Eine praktische Aufgabe für das INTERREG Projekt «SWITCH».

Hochinteressant war der abschliessende Besuch im grossen Rangierbahnhof Limmattal (RBL) bei Zürich: Dort werden alle Tage, vor allem in der Nacht, bis 2500 Güterwagen rangiert und zu Zügen zusammengestellt. Sie erreichen am Morgen ihre Ziele wie zum Beispiel die grosse Firma «LONZA» im Wallis. Rund 350 Mitarbeiter sind rund um die Uhr im RBL beschäftigt. Zudem verkehren auf dem 4,5 km langen Rangierbahnhof auch ganze Züge verschiedener Bahnunternehmen. Der Bahnhof wurde 12 Jahre vor dem Rangierbahnhof Domodossola II eingeweiht und wird dauernd auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Allerding ist der Verkehr von einzelnen Güterwagen oder Gruppen von Wagen nicht mehr im Angebot der italienischen Bahnen, was Domodossola II schmerzlich trifft.

Walter Finkbohner